Inventarnummer: CI0001 · Sparte: Computer & Internet
Ursprungsmaschine: Zuse Z22, Zuse KG, Bad Hersfeld
Konstruktion: 1955 bis 1957, leitender Konstrukteur Lorenz Hanewinkel
Auslieferung der Ursprungsmaschine: ab 1958
Gebaute Exemplare der Z22: 55
Auf einem gelochten Trägersystem aus Hartpapier sitzt eine Elektronenröhre, gehalten von einem blauen Drahtbügel, umgeben von Widerständen und Kondensatoren. Das ganze Modul erfüllt eine einzige Aufgabe: Es merkt sich einen Zustand. Strom oder kein Strom. Eins oder Null.
Was heute in einem Prozessor milliardenfach auf wenigen Quadratmillimetern geschieht, brauchte 1958 ein Bauteil in dieser Größe. Genau das macht dieses Objekt zum vielleicht anschaulichsten Stück der Sammlung: Digitale Technik ist hier nicht abstrakt, sondern greifbar. Ein Flipflop, das man in der Hand halten kann.
Die Z22 war der erste in Deutschland serienmäßig ausgelieferte Röhrenrechner. Entwickelt wurde sie zwischen 1955 und 1957 von der Zuse KG unter dem Physiker Lorenz Hanewinkel, mit der ausdrücklichen Vorgabe der Deutschen Forschungsgemeinschaft, einen Rechner für unter 200.000 DM an die Hochschulen liefern zu können. Die ersten Geräte gingen 1958 an die TU Berlin und nach Aachen, auch Zeiss gehörte zu den frühen Abnehmern.
Das Gerät wog rund eine Tonne, benötigte einen 380-Volt-Drehstromanschluss und eine externe Kühlanlage mit eigenem Wasseranschluss. Als Arbeitsspeicher diente ein Magnettrommelspeicher mit 8.192 Wörtern zu je 38 Bit, ergänzt um wenige Wörter schnellen Ferritkernspeicher. Ein- und Ausgabe liefen über Lochstreifen und Fernschreiber.
Bemerkenswert ist, was die Z22 in der deutschen Nachkriegszeit möglich machte: Sie war die erste Maschine, die den Hochschulen der Bundesrepublik überhaupt elektronische Datenverarbeitung zugänglich machte. Eine ganze Generation deutscher Informatikerinnen und Informatiker hat an Geräten dieses Typs zum ersten Mal programmiert.