Inventarnummer: PP0001 · Sparte: Print & Presse
Hersteller: Olympia Büromaschinenwerke AG, Erfurt
Bauzeit: Kleinschreibmaschine der 1930er und 1940er Jahre, dieses Exemplar [Baujahr bitte ergänzen]
Bauart: Typenhebelmaschine mit Vorderaufschlag
Tastatur: vierreihig
Farbband: 13 mm
Die Simplex war kein eigenständiges Modell im heutigen Sinn. Olympia baute in Erfurt eine gemeinsame Konstruktion für Kleinschreibmaschinen und brachte sie unter zahlreichen Bezeichnungen in den Handel: als Progress, Filia, Elite und eben Simplex, dazu unter Fremdnamen wie Diplomat, Fortuna und Lutèce sowie in der Kappel-Reihe. Die Unterschiede lagen im Ausstattungsumfang, etwa ob ein Tabulator vorhanden war oder ob zweifarbig geschrieben werden konnte. Die Mechanik darunter war im Kern dieselbe.
Für eine mediengeschichtliche Sammlung ist das ein aufschlussreicher Befund. Was hier vorliegt, ist Plattformstrategie, Jahrzehnte bevor der Begriff existierte: eine Konstruktion, die durch Ausstattungsvarianten und Namensgebung in mehrere Preissegmente und Märkte aufgefächert wird. Wer heute vor einer Produktpalette steht, in der sich mehrere Modelle nur in Software und Etikett unterscheiden, sieht dasselbe Prinzip.
Die Simplex gehört zur Gattung der Klein- oder Reiseschreibmaschinen. Gegenüber der schweren Büromaschine, für die ein eigener Tisch nötig war, ließ sie sich mit einem Koffer transportieren.
Damit verschiebt sich, wo geschriebener Text entsteht. Die Büroschreibmaschine band das Tippen an eine Institution, an eine Kanzlei, eine Redaktion, ein Amt, und meist an ein spezialisiertes Berufsbild. Die Kleinschreibmaschine löste maschinengeschriebenen Text aus dieser Bindung: Sie stand auf dem Küchentisch, im Studentenzimmer, im Hotelzimmer, im Feld. Sie ist damit dieselbe Bewegung, die später der Laptop vollzogen hat, nur unter mechanischen Vorzeichen.
Der Unterschied zur Handschrift war dabei nicht nur ästhetisch. Maschinenschrift war lesbar, wirkte amtlich und ließ sich mit Durchschlagpapier vervielfältigen. Wer eine solche Maschine besaß, konnte Texte in einer Form herstellen, die vorher Behörden und Betrieben vorbehalten war.
Kaum ein Objekt trägt so viel Zeitgeschichte im Markennamen. Das Erfurter Werk begann 1925 als Teil der AEG Deutsche Werke, ab 1930 firmierte es als Europa Schreibmaschinen AG Berlin-Erfurt, und 1936 benannte sich das Unternehmen in Olympia Büromaschinenwerke AG, Erfurt um, im Jahr der Olympischen Spiele in Deutschland.
Nach 1945 lag Erfurt in der sowjetischen Besatzungszone. 1948 verließen Entwickler und Werksleitung das Unternehmen mit den Konstruktionsplänen und bauten in Wilhelmshaven ein neues auf, während in Erfurt weiter produziert wurde, dort lagen die Werkzeuge. Ein Rechtsstreit um den Markennamen führte dazu, dass die westdeutschen Maschinen zunächst als Orbis und die ostdeutschen als Optima liefen. Aus einer Firma wurden zwei Firmen in zwei Staaten, und ein Produkt trug plötzlich zwei Namen.