Inventarnummer: PP0002 · Sparte: Print & Presse
Hersteller: Keller & Knappich GmbH, Maschinenfabrik, Augsburg (KUKA)
Modell: Princess 200, Markteinführung 1954
Bauart: tragbare Typenhebelmaschine, Flachschreibmaschine
Bauhöhe der Reihe: rund 64 mm · Gewicht: rund 5 kg
Farbband: 13 mm, zweifarbig
Zubehör: Kunststoffkoffer („Novoplastic“)
Die Princess war flach. Das klingt banal, war aber das eigentliche Verkaufsargument: rund 64 Millimeter Bauhöhe, etwa fünf Kilogramm, in einem Kunststoffkoffer zu tragen. Anfang der 1950er Jahre wurde sie damit zur meistverkauften Flachschreibmaschine der Bundesrepublik.
Die Bauhöhe ist kein Designdetail, sondern eine Aussage darüber, wo geschrieben werden sollte. Eine Büroschreibmaschine steht. Eine Flachschreibmaschine wird mitgenommen, auf den Küchentisch gestellt, ins Zugabteil, ins Studentenzimmer. Text entsteht nicht mehr nur dort, wo eine Institution ihn produziert, sondern dort, wo jemand etwas zu schreiben hat. Es ist derselbe Gedanke, der Jahrzehnte später zum Notebook führte, und der Formfaktor argumentiert bei beiden Geräten dasselbe.
Dazu kam das Aussehen. Die Princess erschien in Pastelltönen der 1950er Jahre, blau, grün oder rot mit Creme kombiniert. Eine Schreibmaschine, die nicht mehr schwarz und amtlich war, sondern zum Wohnraum passte. Auch das ist eine Aussage über die Zielgruppe.
Die Princess 200 löste 1954 die frühen Modelle ab und gab der Reihe ihre bekannte Form. Ihr Gehäuse wurde zur Grundlage für das, was danach kam, und zwar im Wortsinn: Die Princess 100 erschien erst 1955, also nach der 200, und war keine Vorstufe, sondern eine vereinfachte Ausführung der 200 in deren Verschalung. Wer die Modellnummern als Zeitleiste liest, liegt hier falsch.
Ausstattungsseitig steht die 200 zwischen der einfachen Standard-Variante und der Princess 300 von 1957, die als erste deutsche Reiseschreibmaschine ihrer Klasse einen Tabulator mitbrachte. Die 200 markiert damit die Mitte der Baureihe: die Version, die den Erfolg trug, bevor die Ausdifferenzierung nach oben und unten einsetzte.
Der Hersteller ist der eigentliche Sensationsfund an diesem Objekt.
Keller & Knappich wurde 1898 in Augsburg-Oberhausen gegründet, zunächst als Acetylengaswerk für Haus- und Straßenbeleuchtung. Als die Glühlampe dieses Geschäft zerstörte, stellte die Firma auf Autogenschweißen um, baute später Kommunalfahrzeuge und Müllwagen, Rundstrickmaschinen und ab Ende der 1940er Jahre Schreibmaschinen. Aus dem Telegrammkürzel für „Keller und Knappich Augsburg“ wurde der Markenname KUKA.
1973 konstruierten Ingenieure desselben Unternehmens in derselben Stadt den Famulus, den ersten Industrieroboter mit sechs elektromechanisch angetriebenen Achsen. KUKA gehört heute zu den weltweit führenden Herstellern von Industrierobotern.
Zwischen dieser Schreibmaschine und dem modernen Industrieroboter liegen rund zwanzig Jahre und dieselbe Werkshalle. Für eine Sammlung, die Medien und Wissenschaft zusammendenkt, ist das eine der stärksten Verbindungen, die ein einzelnes Objekt herstellen kann: Ein Gerät zur mechanischen Textproduktion und der Beginn der industriellen Robotik in Deutschland kommen aus demselben Haus.
1968 verkaufte Keller & Knappich die gesamte Büromaschinenfertigung nach Bulgarien, an die Typewriter Works in Plovdiv. Dort liefen die Maschinen weiter: bis 1971 als „Princess“ für den westdeutschen Markt, daneben als „Maritsa“, kyrillisch Марица, für Osteuropa einschließlich der DDR. Der Name stammt vom Fluss, der durch Plovdiv fließt.