Sony Handycam DCR-SR35

Category
Film & Fernsehen
Tags
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About This Project

Inventarnummer: FF0002 · Sparte: Film & Fernsehen
Hersteller: Sony Corporation
Marktzeit: 2007/2008
Aufzeichnung: interne Festplatte, 30 GB
Aufnahmeformat: MPEG-2, Standard Definition, Ton Dolby Digital 2.0
Sensor: CCD mit rund 800.000 Bildpunkten
Objektiv: Carl Zeiss Vario-Tessar, 40-facher optischer Zoom, 2000-facher Digitalzoom
Display: 2,7-Zoll-Touchscreen im Breitbildformat
Weitere Merkmale: Super SteadyShot, NightShot, Hybridaufzeichnung auf optionalem Memory Stick


Das Gerät, das das Band abschaffte

Rund fünfundzwanzig Jahre lang war jede Videokamera für Privatanwender im Kern ein Bandlaufwerk mit Objektiv. VHS-C, Video8, Hi8, MiniDV: Die Formate wechselten, das Prinzip blieb. Aufnahmen lagen linear hintereinander auf einem Magnetband, und wer eine bestimmte Stelle suchte, musste spulen.

Die DCR-SR35 gehört zu der kurzen Gerätegeneration, die damit gebrochen hat. Statt einer Kassette sitzt eine 30-Gigabyte-Festplatte im Gehäuse, gut für etwa 15 bis 20 Stunden Material. Damit verschwindet nicht nur das Verbrauchsmedium, sondern die gesamte Bedienlogik dahinter. Es gibt kein Vor- und Zurückspulen mehr, keine überschriebene Aufnahme, keine Kassette, die man verlegen kann.

Vom Band zur Datenbank

Der eigentliche Bruch ist konzeptioneller Natur, und die Kamera zeigt ihn selbst. Sony bewarb die DCR-SR35 mit Funktionen namens „Face Index“ und „Film Roll Index“: Die Kamera analysiert das aufgenommene Material und legt automatisch Miniaturansichten und Einstiegspunkte an, unter anderem anhand erkannter Gesichter.

Das ist Datenbanklogik im Camcorder. Video ist hier nicht mehr ein Strom, den man durchläuft, sondern ein Bestand, den man durchsucht. Für eine mediengeschichtliche Sammlung ist genau das der interessante Punkt: Zwischen dem Magnetband und dem Smartphone, das jede Aufnahme automatisch verschlagwortet, liegt diese Zwischenstufe, an der man den Wechsel vom sequenziellen zum wahlfreien Zugriff noch an einem einzelnen Gerät ablesen kann.

Dazu passt der zweite Punkt: Auf Festplatte liegt das Material bereits als Datei vor. Was für die Weitergabe früher eine Digitalisierung erforderte, war jetzt nur noch ein Kopiervorgang. Das Gerät fällt zeitlich mit dem Aufstieg von YouTube zusammen, und die Marktkommunikation zielte genau darauf: Video sollte teilbar sein, nicht abspielbar.

Ein Format mit sehr kurzer Lebensdauer

Festplatten-Camcorder waren nur wenige Jahre lang aktuell. Die mechanische Festplatte war stoßempfindlich, verbrauchte Strom und war für ein Handgerät immer ein Kompromiss. Sie wurde binnen weniger Jahre von Flash-Speicher verdrängt, und kurz darauf löste das Smartphone die Kategorie des privaten Camcorders insgesamt weitgehend auf.

Die DCR-SR35 ist also kein Meilenstein, sondern eine Sackgasse, und das ist ihr Reiz. Sammlungen zeigen gern die Linien, die zum Heute führen. Objekte wie dieses zeigen, dass technische Entwicklung auch aus Zwischenlösungen besteht, die für ein paar Jahre plausibel waren und dann verschwanden. Für Medienbildung ist das oft der lehrreichere Fall.

Bemerkenswert ist außerdem, dass die Kamera 2008 noch in Standard Definition aufzeichnete, obwohl HD-Camcorder bereits am Markt waren. Das Modell markiert das preisgünstige Ende einer Baureihe und dokumentiert damit auch, wie lange sich eine ablaufende Bildnorm im Einsteigersegment noch halten konnte.